Sehen, Begreifen, Lernen

Sehen müssen wir lernen, auch wenn wir glauben, dass wir es von Anfang an schon so beherrschen wie das Atmen.

 

Ein Neugeborenes kann kurz nach der Geburt mit seinen Augen die Umwelt wahrnehmen - allerdings nur drei Prozent und ungefähr 30 cm weit! Seine Augenlinse bietet noch keinen Schutz des Augenhintergrundes vor ultravioletten Strahlen. Es kann seine beiden Augen weder genau auf ein Objekt ausrichten noch hundertprozentig scharf stellen. Es kann keine feinen Farbnuancen unterscheiden und Entfernungen oder Geschwindigkeiten abschätzen...

 

Die Sehschärfe, die das Kind später zum Lesen benötigt, muss sich innerhalb eines begrenzten Zeitraumes durch ständiges unbewusstes Einüben entwickeln. Bis das Augenpaar die Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgebildet hat, die die Spezies Mensch so erfolgreich werden ließ, vergehen nach Ansicht der Forscher mindestens 12 manchmal sogar 16 Jahre.

 

Dabei ist der Gesichtssinn nicht isoliert zu betrachten, denn erst die Vernetzung mit anderen Gehirnarealen macht unser Sehen perfekt: Dort entsteht unter anderem die handwerkliche Perfektion die uns die Schrift ermöglichte und somit die Weitergabe des Wissens an unsere Nachkommen. Ohne das wäre die Entwicklung feiner Verfahrenstechniken und hochtechnisierter Maschinen, die uns vielleicht bald in die entlegensten Winkel des Weltalls befördern werden, undenkbar.

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