Winkelfehlsichtigkeit
 

Was ist Winkelfehlsichtigkeit?

Das Sehen als ganzheitliche Wahrnehmung beruht auch auf der Fähigkeit räumlich sehen zu können. Ohne diese Fähigkeit haben wir keine Möglichkeit uns selbst in Beziehung zu etwas anderem zu stellen, das wir sehen.

 

Wenn man beispielsweise durstig ist und weiß, dass auf dem Tisch ein Glas Wasser steht, müssen mehrere Dinge getan werden, um den Durst zu stillen. Das Zentrieren hilft dabei, die eigene Position im Raum zu erkennen und genau zu wissen, an welcher Stelle sich das Glas im Verhältnis zur eigenen Person befindet. Daraufhin können wir dann Aktivitäten auf das Ziel ausrichten.

 

Beim Zentrieren schauen wir mit beiden Augen gleichzeitig auf dieselbe Stelle und die zwei von den beiden Augen gelieferten Bilder werden im Gehirn zu einem räumlichen Gesamtbild zusammengefügt. Dazu muss das Bild des betrachteten Punktes in beiden Augen genau auf der Netzhautmitte abgebildet werden. Das ist kein Problem, wenn beide Augen im richtigen Winkel auf das Objekt schauen. Um diesen richtigen Winkel einzustellen, müssen die Augenmuskeln kontrolliert und koordiniert zusammen arbeiten.

 

Um das Glas (Figur) vom Hintergrund (Grund) unterscheiden und genau erkennen zu können, muss man es bewusst auswählen und ihm eine höhere Bedeutung als der Umgebung beimessen. Man spricht dabei vom „Figur-Grund-Verhältnis”. 

 

Jede Ungenauigkeit beim Ausrichten der Augen auf die „Figur” führt zur Störung des Figur-Grund-Verhältnisses. Dieses nicht optimale Verhältnis setzt die Fähigkeit des Betrachters, gesehene Objekte präzise zu erkennen, herab und zehrt zugleich an seiner Konzentration. 

 

Wenn Tom an einem Wald vorbeifuhr, sah er „fliegende Bäume”. Als er in die Schule kam, fiel es ihm ungeheuer schwer, Buchstaben lesbar aufs Papier zu bringen: „Alles wackelt und ist verschwommen. Die Buchstaben fallen um und kippen ineinander!” Und wenn er etwas ausmalen sollte, endete das meist in heillosem Gekrakel über die vorgegebenen Linien. „Das alles lag an meiner Winkelfehlsichtigkeit”, erklärt er später fachmännisch. „Bei der Winkelfehlsichtigkeit gibt es an beiden Augenmuskeln Längenunterschiede und dadurch stehen die Augen in einem falschen Winkel zueinander. Das Ergebnis ist, dass ich doppelte Bilder sehe.”

 

Da hat Tom recht: Unter dem Begriff Winkelfehlsichtigkeit versteht man ein Ungleichgewicht in der Bewegungsmuskulatur beider Augen. Dies kann man sich vereinfacht wie ungleich lange Zügel eines Pferdepaares vorstellen. Lenkt der Kutscher nicht ständig korrigierend dagegen, dann laufen die Pferde nicht in die gleiche Richtung.

 

Der Kutscher ist beim Menschen das Gehirn, das die Längenunterschiede durch aktives Gegensteuern ausgleicht. Dem Winkelfehlsichtigen ist deshalb das Augenmuskelungleichgewicht nicht anzusehen. Er müsste eigentlich schielen. Das tut er aber nicht, weil sein Gehirn gegensteuert, um die Parallelstellung der Augen und damit das beidäugige Sehen aufrechtzuerhalten. Das Ausgleichen selbst stellt auch bei kleinsten Fehlern eine erhebliche Dauerbelastung für den Körper dar und führt auffallend oft zu Anstrengungsproblemen.

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